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Radfahren in Bad Friedrichshall

Deutschland wird zum Fahrradland
Mit diesem Schlagwort ist das Bundesverkehrsministerium unter Minister Scheuer medienwirksam an die Öffentlichkeit gegangen. Über Jahre hinweg wurden mehr als 2000 Ideen von Bürgern in ein neues Radwegekonzept aufgenommen. Wer jetzt denkt, endlich tut sich da was, wird diese Kampagne erfreut begrüßen.
Wie sieht es mit der Finanzierung aus? Bis zum Jahr 2023 sollen 1,46 Milliarden € für den Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden, das betrifft Radwege, Schnelltrassen und vor allem das Angebot an Stellplätzen im öffentlichen Raum und in den Betrieben. Hervorgehoben werden dabei noch Fahrradparkhäuser im Umfeld von Bahnhöfen.
Welches Prinzip versteckt sich dahinter? Fahrrad - und motorisierter Verkehr sollen gleichberechtigt gesehen werden und im Alltag im Miteinander zurechtkommen. Fahrradfahrern soll mehr Platz zur Verfügung gestellt werden zulasten des Autoverkehr. Gleichzeitig soll diese Veränderung laut BVM Scheuer ohne Konflikte vor sich gehen, dieser Widerspruch müsste wohl vor Ort aufgelöst werden?
Tatsächlich lauert der größte Stolperstein in den Kommunen, da schon jetzt hohe Fördermittel einfach nicht abgerufen werden, obwohl ein Radwegenetz oft nur bruchstückhaft existiert oder einfach keine und zu schmale Radwege vorhanden sind. Dazu fehlt es an überregionalen Strukturen und vor allem dem Mut zur Veränderung. Ganz banal ist der Mangel an spezialisierten Planern, um es mal ganz prägnant auf den Punkt zu bringen: Wo kein Planer, da keine Infrastruktur!!
In den nächsten 10 Jahren soll nachgeholt werden, was beispielsweise die Niederlande seit den 1970ern planen und in Städten wie Amsterdam oder vor allem Groningen umsetzten. Dort etwa wurde der motorisierte Verkehr aus der Innenstadt „herausgefiltert“ und Radfahrer bevorrechtigt. Inzwischen ist der Anteil von Radfahrten in der 200.000 Einwohner-Stadt auf über 50%
gestiegen (landesweit 36%) und die Lärmbelastung deutlich gesunken. Es gibt auch kein Elterntaxi und SUV`s vor den Schulen, da über 80% der Kinder ab 8 Jahren mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Stellplätze für Räder sind überall zu finden, während Parkplätze für Autos in der Innenstadt stark reduziert wurden.
Wo lässt sich in Bad Friedrichshall ansetzen? Ein Radwegenetz fehlt komplett und ist nicht in Sicht, vielmehr ist die Stadt stark vom Durchgangsverkehr geprägt. Die Ausweisung von Schutzstreifen entlang der Hauptverkehrsachsen müsste ein erster Schritt zu mehr Sicherheit für Radfahrer sein und die Akzeptanz auf der Straße wäre deutlich erhöht. Kombinierte schmale Rad-/Fußwege ergeben keinen Sinn, das Fahrrad hat seinen Platz auf der Straße!! Dann muss über verkehrsberuhigte Abschnitte im Zentrum nachgedacht werden, um dort die Aufenthaltsqualität für die Bürger wieder zu verbessern. Und dann braucht es Ideen und Pläne, um das Vorhaben des Verkehrsministers umsetzen und die Fördergelder in Anspruch nehmen zu können.
Die Grünen des Ortsverbands beschäftigen sich mit dem Thema Radfahren in Bad Friedrichshall. Am Mittwoch, den 19.05. wird eine erste Tour durch Bad Friedrichshall stattfinden, um mit einer Bestandsaufnahme zu beginnen.
www.gruene-bw.de/wp-content/uploads/2021/01/GrueneBW-Landtagswahlprogramm-2021-Wachsen-wir-ueber-uns-hinaus.pdf
www.gruene-neckar-bergstrasse.de/startseite/
www.gruene-landtag-bw.de/themen/umwelt-energie/in-vielen-regionen-ist-baden-wuerttemberg-ein-windland.html
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